Aktuell

Obduktionen: „Mördern bleibt Zeit, unterzutauchen“

Ricardo Peyerl, Kurier vom 9.9.2014

Im TV-Krimi wollen die Kommissare gleich am Auffindungsort der Leiche vom Gerichtsmediziner Tatzeit und Todesursache wissen. Spätestens am nächsten Tag liegen die Ergebnisse dann vor, nachdem die Obduktion durchgeführt worden ist.

Und in Wirklichkeit? Seit fünf bzw. seit fast vier Wochen warten die Ermittler auf die Obduktionsergebnisse in zwei mehr als mysteriösen Wiener Todesfällen. Beide werden von der Staatsanwaltschaft untersucht, bei beiden ist Fremdverschulden möglich, bei einem ist sich die Polizei sogar sicher. Doch die angeordneten Leichenöffnungen liegen im wahrsten Sinn des Wortes auf Eis, die Ermittlungen stocken.

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Immobilienspekulation in Wien 6: Tod des letzten Bewohners.

Orange 94.0 vom 8. September 2014

Immobilienspekualtionen. Am 2. August wurde Cafer I., der letzte Bewohner eines Hauses in der Esterházygasse 6 tot aufgefunden, das gerade kernsaniert werden sollte. Die Todesursache ist noch unbekannt, während die Staatsanwaltschaft ermittelt. Die prekären Verhältnisse, die durch Wohnungsnot und Verdrängung verursacht werden, werden in Wien immer fataler.

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8 Minuten Optimismus

Ein uns zur Verfügung gestellter Text vom Autor und Journalisten Kurto Wendt zum Tod von Cafer I.

Herr I. hatte wie jeden Samstag seine Saunatasche gepackt. Zehn Minuten später war er tot. Erdrückt von tausend Kilo Absperrgitter, einfach umgefallen im Hauseingang. Fahrlässige Tötung vermutet die Polizei oder Mord, wie es andere sehen. Herr I. wurde erdrückt von den Verhältnissen. Seit Mai war er der einzige Mieter in einem Haus, das renoviert und aufgestockt wird. Herr I. wollte nicht weichen, sperrte sich gegen seine Ausmietung, er, der pensionierte Bauarbeiter.

„Value gap“ und „rent gap“ heißen die Zauberwörter, die Haus- und Wohnungsbesitzer*innen motivieren und erfinderisch machen. Ein Haus halb leer, halb voll mit alten Leuten, lässt Gewinnfantasien blühen. Sie fühlen sich sicher wie nie und lassen große Banner aufziehen auf ihre Objekte. Ehrlich, ganz offen, steht dort zu lesen: „Hier wächst gerade der Immobilienwert“. Nur einen Steinwurf entfernt von der geräumten Pizzaria Anarchia. Nicht geräumt, geentert. Von 1700 im Dienste des Eigentums. Es könnte schwierig werden, haben sie sich wohl gedacht, hunderte aus Wien, vielleicht noch ein paar Busse aus der Steiermark, Oberösterreich wäre auch schön. Holen wir sie doch alle! Einmal den gesamten Bezirk mit Polizeiautos zuparken! Machtfantasien von dummen Polizeijungen, die sich auch noch Hubschrauber und Panzerrammwagen zum Spielen holten oder vielleicht auch Angst, dass die Aktion längst die Zustimmung der Bevölkerung verloren habe? „Ist der Bürgermeister informiert“ wird einer gefragt haben, der auf seinem Notizblock die Hundertschaften als Strichmännchengruppen gemalt hat. Einer streckte den Daumen hoch, der Präsident lächelte. Er wusste, dass Macht demonstrieren immer gut kam in dieser Stadt und dass es keine bessere Gelegenheit gab, der Bevölkerung zu demonstrieren, dass Aufstandsbekämpfung längst zum Trainingsalltag österreichischer Polizist*innen gehört.

„Hier wächst der Immobilienwert“ lockt auch die grün-liberale Mittelschicht. Angst um ihr Erspartes und Gier lässt sie eine zweite und dritte Wohnung kaufen und mit Gewinn weitervermieten. Vorsorgen für sich und die Kinder. Die Kinder, ja, um die wird man* sich doch Sorgen machen dürfen. Dass sie in bessere Schulen gehen als die anderen, auf den Unis nicht neben schlecht deutsch-sprechenden Migrant*innen zu sitzen kommen. Manchmal sind auch Grenzen und Ausschlüsse nicht schlecht, denken sie. Gerechtigkeit abstrakt, ja schon und Gesamtschule für alle. Aber Vorsorgen für die Zukunft der Kinder, der eigenen, da nimmt man* schon mal in Kauf, dass andere überhöhte Miete zahlen. Ungleichheit darf sein, das sehen nicht nur die Rechten so. Mit sogenannten „Vorsorgewohnungen“ machen Banken und Fonds die Mittelschicht zu Mittäter*innen, jene wissen das auch und sind froh darüber, dass das Eintreiben der Miete von den Banken übernommen wird. „Wir haben da Spezialisten“, meint die Bankberaterin trocken und verspricht obendrein noch steuerliche Erleichterungen. „Wenn sie bis zu drei Wohnungen besitzen gelten auch nicht alle Bestimmungen des strengen Mietrechts“, ergänzt sie. Freie Bahn für die kleinen ProfiteurInnen, für die Kinder versteht sich, nicht für sich selbst. Die so Beratenen wissen was das bedeutet, mit schlechtem Gewissen vielleicht, aber sie tun es und sie ärgern sich beim Verlassen der Filiale über die Bettlerin, die allzu eindringlich Biiiiiiiiitte sagt.
Die Spekulant*innen sind nur die Übertreibung, auf die sich auch von Vorsorgewohnungsbesitzer*innen trefflich mit den Fingern zeigen lässt. Wohnen – Dmo
„Ein neues Lied, ein besseres Lied, O Freunde, will ich euch dichten! Wir wollen hier auf Erden schon Das Himmelreich errichten. Wir wollen auf Erden glücklich sein, Und wollen nicht mehr darben“ schrieb Heinrich Heine schon Mitte des 19. Jahrhunderts. Mitte Juli 2014 war die Strasse in Wien, die seinen Namen trägt, komplett mit Polizeibussen zugeparkt.
„Dreams are not evictable“, Träume sind nicht delogierbar, haben die Besetzer*innen der Pizzaria Anarchia in einem Kommentar zur Räumung geschrieben. Wir fühlen, dass unsere Träume nicht kurz vor der Verwirklichung stehen, es wird noch schlimmer, ganz bestimmt.
Aber was, wenn die Saunafreunde von Herrn I. sich nicht damit begnügen wollen, zu trauern? Wenn einer von ihnen sagt „wir müssen irgendwas tun, er soll ruhen, aber sie, die ihn auf dem Gewissen haben, nicht“. Ein anderer würde ihm entgegnen: „Es hat keinen Sinn, die Verhältnisse sind halt so und die da oben haben es sich immer richten können.“ „Vielleicht hat es keinen Sinn aber ein bisschen Rache zumindest sind wir ihm schuldig, ich zumindest“ würde der erste erwidern, „wenn wir alles schlucken werden sie nur noch frecher und die Gesetze schützen uns immer weniger.“ „Was willst du machen? Das Haus anzünden? Das käme ihnen nur Recht, mit Neubau verdienen sie noch mehr“ bremste der zweite wieder, bevor ein dritter möglicherweise sagt: „Haben da nicht voll viele Leute mal beschlossen, gemeinsam keine Miete mehr zu zahlen?“ Der erste würde lachen und sagen: „Das hast du vielleicht in einem Roman gelesen, in echt gibt’s das nicht“ „Nein, das war sicher echt. In Italien glaub ich, irgendwann in den 70er Jahren“ Der zweite würde dem dritten die Hand auf die Schulter legen und sagen: „Da warst du ja noch nicht mal auf der Welt, Romane oder Geschichte, wo ist der Unterschied, du kannst davon träumen, aber machen kannst du es nicht“. „Er hat sich sogar zu einem Streik am Bau mitreißen lassen vor Jahren, das ist viel riskanter als eine Miete nicht zu zahlen“ könnte der erste über den zweiten zum dritten sagen und zweiterer würde das Gesicht verziehen. „Das hat aber die Gewerkschaft unterstützt, das ist was anderes“ „ Und wenn die Gewerkschaft einen Mietboykott unterstützen würde?“ könnte der dritte nachhaken und erstmals an diesem Abend zeigten sich der erste und der zweite sehr einig, in dem sie mit einem milden lächeln dem jüngeren zeigen würden, wie naiv sie seine Haltung finden würden. Der erste würde vielleicht aufstehen und sagen: „ich spray ihnen jetzt auf ihr beschissen weißes Haus *I. soll ruhen, aber ihr Schweine nicht*“ der zweite würde ihn nicht zurückhalten „Pass auf dich auf“ und der dritte würde sich auf die Suche nach Figuren machen, für die Geschichte kein unbeeinflussbarer abgeschlossener Prozess ist. „Sehen wir uns nächste Woche in der Sauna“ könnte der zweite noch zum Abschied fragen. „Aber fix!“ würde der erste antworten und der jüngere würde in der Tür stehend ergänzen: „Vielleicht bring ich noch wen mit“ So oder so ähnlich könnte es doch sein, oder? Bald schon, sehr bald. the future is still unwritten.

Zum Autor: Von Kurto Wendt erschien unlängst der Roman Der Juli geht aufs Haus, die fiktive Geschichte einer Mietboykottbewegung in Wien.

3. September 2014, 19 Uhr: Mahnwache im Gedenken an Cafer I.

Am 02.08.2014 wurde Cafer I. in dem Haus tot aufgefunden, in welchem er über 30 Jahre eine Mietswohnung bewohnte. Er war der letzte Mieter im Haus, welches seit geraumer Zeit generalsaniert wird. Cafer I. weigerte sich auszuziehen, nun ist er tot und unter fragwürdigen Umständen aufgefunden worden.

„Auf Cafer I. sei immer wieder massiv Druck ausgeübt worden auszuziehen, schildern Nachbarn und Familie. Nicht nur auf ihn. Ehemalige Bewohner und der verbliebene Geschäftsmieter berichten von Schikanen: Telefonanschlüsse seien abgedreht, WC-Anlagen unangekündigt abgerissen worden.“ (DerStandard vom 12.08.2014)

Immer mehr Mieter_innen in Wien werden aus ihren angestammten Wohngegenden vertrieben, damit mehr Profit aus Wohnobjekten geschlagen werden kann. Mühlfeldgasse 12 und Bauernmarkt sind nur zwei von ca. 30 bekannten Fällen in Wien.

In Gedenken an Cafer I., dem letzten Mieter der Esterházygasse 6, wird am 03.09.2014 um 19.00 Uhr vor Ort von diversen Initiativen und Einzelpersonen aus dem Grätzel eine Mahnwache abgehalten.

Facebook: https://www.facebook.com/events/371557032992086/

Spekulant schuld an Tod des Mieters?

oe24.at vom 17. August 2015

Wien: Freunde glauben an Mord. Die Polizei an Fahrlässigkeit.

Cafer I. (65), der seit 30 Jahren im Haus in der Esterházygasse wohnte, wollte seine Wohnung nicht aufgeben. Monatelange Verhandlungen mit dem Hausbesitzer, der die alten Wohnungen derzeit in Luxusappartements verwandeln lässt, scheiterten.

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Weiter Rätsel um Tod des letzten Zinshaus-Mieters

oe24.at vom 15. August 2014

Der Tod eines 65-jährigen Mieters, der nicht weichen wollte, bleibt weiter rätselhaft.

Cafer I. war der letzte Mieter im Zinshaus in der Esterházygasse. Das Gebäude wird derzeit saniert, aus den Wohnungen sollen Luxus-Appartements werden. Cafer I. sollte wie alle anderen Mieter seine Wohnung, in der er seit 1984 lebte, verlassen. Seit mehr als einem Jahr liefen die Verhandlungen zwischen den Besitzern und Cafer I.

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Mysteriöser Todesfall in Wiener Mietshaus

Anja Melzer, Der Standard vom 12. August 2014

Ein Zinshaus in Mariahilf soll generalsaniert werden, die Bewohner mussten ausziehen. Einer weigerte sich. Nun wurde er tot aufgefunden – von Baugittern erdrückt

Wien – Die Samstage von Cafer I. hatten einen geregelten Ablauf: Erst holte er sich eine Topfengolatsche vom Bäcker, dann ging er in die Sauna. Am Samstag, dem 2. August, war die Sporttasche gepackt, die Mehlspeise wartete essbereit auf dem Küchentisch, Cafer I. aber lag tot im Eingang seines Hauses in der Esterházygasse.

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Mann in baufälligem Wohnhaus von Gitter erschlagen

Kronen Zeitung vom 8. August 2014

Die Wiener Polizei beschäftigt sich derzeit mit dem mysteriösen Tod eines 65- Jährigen. Cafar I. – Vater von sechs Kindern und elf Enkelkindern – starb auf einer Baustelle, die einmal sein Zuhause war. Der Wiener war der letzte Mieter eines Hauses, aus dem die anderen Bewohner längst geflohen waren.

Wieder und wieder hatte der Bausachverständige Kurt W. die Wiener Baubehörden auf die untragbaren Zustände im Haus in der Esterhazystraße informiert. „Mir ist schleierhaft, wie das alles bewilligt werden konnte. Dennoch hat die Baupolizei nichts unternommen, obwohl auch das Kellermauerwerk völlig durchnässt war“, schildert der Experte erschüttert.

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